Liselotte Strelow (1908-1981) Retrospektive
Das Historische Museum Frankfurt stellte die große, aber weitgehend in Vergessenheit geratene Fotokünstlerin Liselotte Strelow (1908-1981) vor, deren Arbeitsschwerpunkt in der Nachkriegszeit liegt. Die Präsentation versammelt rund 220 originale Porträt- und Theaterfotografien aus der Zeit von 1942 bis 1971.
Die Ausstellung wurde von Prof. Klaus Honnef, Dr. Adelheid Teuber und Dr. Tuya Roth von der Gesellschaft Photo Archiv e.V. Bonn und dem LVR-LandesMuseum Bonn konzipiert.
„ … und ich war die Teuerste in Deutschland!“
Strelows Lebensweg war nicht einfach, umso bewusster gestaltete sie nach 1945 ihre Karriere als Berufsfotografin und Fotokünstlerin der jungen Bundesrepublik. Nach Ausbildung und ersten Ateliererfolgen als Fotografin im Berlin der NS-Zeit zog sie aus Pommern, wohin sie geflüchtet war, nach dem Zweiten Weltkrieg über Detmold ins Rheinland. Zielsicher wählte sie 1949 die gut klingende Atelieradresse Königsallee „Kö“ in Düsseldorf und fotografierte nun die Prominenz der deutschen Nachkriegszeit bis in die sechziger Jahre hinein. Politiker, Künstler, und Schauspieler aus dem In- und Ausland sowie die Elite des deutschen Wirtschaftswunders saßen ihr Modell. Der erste Bundeskanzler der neuen Republik, Konrad Adenauer, wurde ebenso von „der Strelow“ abgelichtet wie der erste Bundespräsident Theodor Heuss. Das Strelow-Porträt diente als Vorlage für die in Millionenauflage gedruckte Heuss-Briefmarke.
„Das subjektive Bild ist fesselnd, nicht das objektive! Und ich bin subjektiv.“ Für das psychologische Porträt, das Liselotte Strelow anstrebte, hieß es, „so viele von den hundert Charakterzügen, Wesenszügen eines Menschen zu sammeln wie möglich.“ In langen Studiositzungen und Gesprächen mit ihrem Gegenüber entstanden facettenreiche Einzelbilder, mit denen sie dem „Wesentlichen einer Persönlichkeit“ auf den Grund gehen wollte.
Liselotte Strelow schuf konzentrierte Bildnisse unter anderem von Gottfried Benn, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Alexander
Mitscherlich, Jean Cocteau, Joseph Beuys, Hildegard Knef oder Marlene Dietrich.
„Das gute Theaterfoto wird immer dem Darsteller, dem Regisseur und dem Dichter gerecht.“ Schon ab Ende der 1930er Jahre hatte sich Liselotte Strelow mit Fotografien von Opern-, Revuestars und Schauspielern einen Namen gemacht. Im kulturhungrigen Nachkriegsdeutschland beschäftigte sie sich erneut mit der Theaterfotografie. So war sie für Gustaf Gründgens, damals Intendant in Düsseldorf, für die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth oder für Oscar Fritz Schuh an den Städtischen Bühnen in Köln tätig. Es entstanden Aufnahmen von Theater- und Tanzaufführungen, Regisseuren und Schauspielern wie dem aus dem Exil zurückgekehrten Fritz Kortner, von Elisabeth Flickenschildt oder Ruth Leuwerick.
“Sagt die Fotografie die Wahrheit?”
Neben der Porträt- und Theaterfotografie arbeitete Liselotte Strelow als Auftragsfotografin für die Werbung oder schrieb eigene Reportagen. Ihre Fachkenntnis publizierte sie unter anderem 1961 in dem Buch „Das manipulierte Menschenbildnis“. In ihrer zehnteiligen Filmreihe „Sagt die Fotografie die Wahrheit?“ (WDR, 1965-67) demonstrierte sie anschaulich, wie ein Bild inszeniert und manipuliert werden kann. Diese Reihe wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.
“Ich benutze nur zwei Lampen … “
Für die Aufnahmen benutzte Strelow in der Regel eine Rolleiflex, mit der sie zwölf Belichtungen im Mittelformat 6 x 6 cm machen konnte. Sie bediente sich lediglich zweier Scheinwerfer, wobei es sich um ein Hauptlicht und einen Aufheller handelte. Diese Ausrüstung erwies sich auf den zahlreichen Reisen zu Kunden und Aufträgen innerhalb der Republik als sehr sinnvoll. Intensive Nachbearbeitungen der Aufnahmen wie die Wahl des Ausschnitts sowie Retuschen am Negativ, partielles Einfärben oder Abschaben, und am Positiv auf der Schichtseite des getrockneten Abzugs mit Pinsel oder Retuschiermesser gehörten in dieser Zeit zum selbstverständlichen Handwerkszeug. Sie beherrschte es meisterhaft.
Liselotte Strelow Retrospektive 1908-1981
Hatje Cantz Verlag 2008
320 Seiten, 282 Abb
Preis im Museum 29,00 Euro
Preis im Buchhandel 39,80 Euro
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22.01.-13.04.2009 Frankfurt
Liselotte Strelow (1908-1981) – Retrospektive
Ausstellungseröffnung am 21.01.2009 um 18 Uhr
Historisches Museum Frankfurt
Saalgasse 19
D-60311 Frankfurt am Main
http://www.historisches-museum.frankfurt.de
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Bildunterschrift des Teasers:
Liselotte Strelow: Marlene Dietrich, 1960
© Gesellschaft Photo Archiv e.V. Köln, Bonn / VG Bild-Kunst, Bonn 2008
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