05.09.-17.09.2010 Köln – Forum für Fotografie
Never Just Looking
Fotojournalismus und Dokumentation
Ausstellungseröffnung: 04.09.2010 um 16 Uhr
Ein journalistisches Foto ist stets mehr als das gleichgültig gesehene Abbild der Realität: Es ist eine subjektive Botschaft mit dem Anspruch, wirklichkeitsgetreu und zugleich ästhetisch zu sein.
Inhalt dieser Seite:
05.09.-17.09.2010 Never Just Looking
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird die strikte Abgrenzung der Dokumentarfotografie zur künstlerischen Fotografie durchlässiger. Die Fotografen entwickeln zunehmend einen persönlichen Stil und eine eigene Bildsprache.
Primär beabsichtigen die Dokumentarfotografen nach wie vor, die Welt zu zeigen, wie sie ist. Der Wahrhaftigkeit des entscheidenden Moments im Einzelwerk nachzuspüren, ist ebenso Aufgabe dieser Ausstellung wie konzeptuelle Strategien offen zulegen und in der Gegenüberstellung von Klassikern des Genres und weniger bekannten Autoren unerwartete Bezüge herauszuarbeiten.
So werden etwa in der Arbeit „Foreclosures: The Broken Dream“ von Bruce Gilden verschiedene Ausdrucksformen zu einer medienübergreifenden Einheit zusammen geführt, um den unsichtbaren Opfern der aktuellen Wirtschaftskrise eine Stimme zu verleihen; zum Einsatz kommen hier neben klassischen Schwarz-Weiß-Fotos auch Film und Audio.
Ebenso originelle wie künstlerisch ausdrucksvolle Dokumentationsreihen werden auch von Jim Goldberg, Susan Meiselas, Antoine d’Agata und anderen hochkarätigen, in dieser Auswahl vertretenen Autoren vorgestellt.
Hierzu gehören u.a. die hochartifiziellen Selbstinszenierungen von Jugendlichen vor der Kamera von Lise Sarfati; die Studie von Susan Meiselas über Manhattans First class S&M-Club „Pandora’s Box“; die eindrucksvollen Aufnahmen von Paolo Pellegrin und Abbas aus dem Iran und Saudi Arabien, sowie die poetischen Traumsequenzen aus der Serie „Mala Noche“ von Antoine d’Agata, die in Mexiko und Guatemala entstanden.
Vertreten sind weiterhin Fotografen wie Elliott Erwitt, Herbert List, Leonard Freed, u.a.
Die Ausstellung ist entstanden in Kooperation mit der Magnum Gallery Paris und der Galerie Thomas Zander, Köln.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Thomas Zander.
05.09.-17.09.2010 Köln – Forum für Fotografie
Never Just Looking
Ausstellungseröffnung: 04.09.2010 um 16 Uhr
Forum für Fotografie
Schönhauser Str. 8
D-50968 Köln
http://www.forum-fotografie.info
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Archiv: Clemens Kalischer – The Invisible Photographer
Clemens Kalischer Retrospektive im Forum Fotografie Köln
Clemens Kalischer – The Invisible Photographer
Das Forum für Fotografie in Köln versammelt mit dieser Retrospektive bekannte und weniger bekannte Motive wie New Yorker Straßenszenen, Displaced Persons sowie Musiker- und Künstlerporträts, die zwischen 1947 und 1967 entstanden sind.
Clemens Kalischer New Yorker Straßenszenen, Arbeiter in den Kohlegruben Pennsylvanias oder Flüchtlinge mit Kisten und Koffern aus Hitlers Europa am Hafen von New York: Clemens Kalischer dokumentiert mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien Augenblicke des menschlichen Alltags, denen nichts Spektakuläres anhaftet. Bezwingend an den Momentaufnahmen sind vielmehr deren Unmittelbarkeit und Klarheit. Kalischer zeigt Menschen in ihren sozialen Zusammenhängen, die ihn interessieren und bewegen.
Indem Kalischer den Menschen, die er ablichtet, nie zu nahe tritt, gelingt es ihm, als Fotograf „invisible“ zu bleiben. Selbst in seiner bewegenden Fotoserie von Flüchtlingen, den „Displaced Persons“, behält er – der selbst eine Displaced Person ist – Distanz und mischt sich nicht ein: Die Gesten der Menschen sprechen für sich, keine Botschaft des Künstlers stört das Gegenüber von Bildmotiv und Betrachter.
Ein typisches Kalischer-Foto legt keine bedeutungsvollen Ebenen zwischen den Betrachter und das Motiv; es vermittelt stattdessen das Gefühl, der Fotograf habe einfach einen Moment im Strom des Lebens herausgegriffen und ihn in der Emulsion erstarren lassen.
Die sowohl handwerklich als auch künstlerisch hochwertigen Fotografien von Kalischer sind stark von der Architektur der Orte geprägt; dennoch dominiert, von wenigen Ausnahmen abgesehen, der Ort nie, sondern bleibt stets mit den Menschen verbunden, die hier leben und arbeiten, ankommen oder abreisen.

© C. Kalischer, Displaced Persons, New York – Reunion, 1948
Kalischer erzwingt und arrangiert seine Motive nicht; er durchstreift die Umgebung, in der er sich gerade befindet, spürt besondere, vorübergehende Momente der Normalität auf und fängt sie mit seiner Kamera ein. Viel Geduld hat er dabei für die „stummen Zwiegespräche“ mit den Menschen. So zeigen sich dem Betrachter authentische Standbilder unserer Welt, die nichts Fragwürdiges und Falschen an sich haben, weil ihnen das Manipulierte,Verzerrte oder Irreführende fremd ist.
Biographie
Am 30. März 1921 in Lindau am Bodensee geboren, wächst Clemens Kalischer zunächst in Nordhausen (Harz), dann in Berlin-Reinickendorf auf. Der Vater, ein Kinderpsychotherapeut, erkennt früh die Gefahr, die von Hitler für die jüdische Familie ausgeht und emigriert mit ihr 1933 nach Frankreich.
In Paris studiert Kalischer Kunst und begegnet erstmals bewusst der Fotografie: Paris vu par André Kertész heißt der Fotoband, der ihn tief beeindruckt und der ihn seither begleitet. Wie zahlreiche deutsche Emigranten wird Kalischer 1939 interniert; drei Jahre verbringt er in acht Internierungslagern mit Zwangsarbeit. Dank der Hilfsorganisation von Eleanor Roosevelt kann Kalischer mit einem Not-Visum in die USA fliehen.
In New York schlägt er sich zunächst mit verschiedenen Jobs durch. Ab 1944 studiert er Kunst an der Cooper Union School, besucht Kurse in der Photo League und studiert an der New School for Social Research Fotografie bei Berenice Abbott.
Seine Karriere als Fotograf beginnt, als er 1943 seinen ersten Auftrag erhält: Er ist Copyboy bei der France Press Agence und springt für einen abwesenden Fotografen ein, um die letzte Fahrt der Normandie fotografisch zu dokumentieren. Die Reportage mit der geliehenen Rolleiflex wird in Paris hoch gelobt. Angespornt von dieser Anerkennung, bietet er seine Fotografien der New York Times an, für die er bis heute arbeitet. Aufträge anderer renommierter Blätter wie Time Magazine, Life, du, Boston Globe Magazine oder Newsweek folgen.
Kalischers Motive sind zunächst die Straßen und Menschen New Yorks: Arbeiter, Passanten, Jugendliche, Kinder. Ende der vierziger Jahre entstehen seine sensiblen Aufnahmen der Displaced Persons, Bilder von Flüchtlingen aus Europa, die mit ihren Habseligkeiten den Hafen von New York erreichen.
1951 zieht es Kalischer fort von der Metropole in die Natur; er übersiedelt in das neuenglische Städtchen Stockbridge im Bundesstaat Massachusetts. Jetzt sind es ländliche Motive, die in den Fokus des Künstlers geraten. Kalischer gründet hier die Fotoagentur Image Photos, 1965 folgt die Image Gallery for Contemporary Art.
1955 wird Clemens Kalischer amerikanischer Staatsbürger. Im selben Jahr gelingt ihm der internationale Durchbruch als Fotokünstler mit seiner Beteiligung an Edward Steichens epochalen Ausstellung The Family of Man im New Yorker Museum of Modern Art. 1959 beteiligt er sich an der Gruppenausstellung In and Out of Focus und ist auch bei der Ausstellung Camera as a Witness 1967 dabei.
1956 heiratet Kalischer Angela Wottitz, mit der er zwei Töchter hat. Reisen führen ihn nach Europa, Indien oder Kuba, und überall hält er seine Eindrücke mit der Kamera fest. Deutschen Boden betritt er erst wieder Ende 1998: Anlass ist eine Einzelausstellung seiner fotografischen Werke in der Berliner Galerie argus fotokunst sowie ein Treffen der Gruppe One by One, die den Dialog zwischen Tätern und Opfern des Holocaust fördert.
11.01.-22.02.2009 Köln
Clemens Kalischer – The Invisible Photographer
Die Fotoausstellung im Forum für Fotografie wurde in Zusammenarbeit mit der Galerie argus fotokunst konzipiert.
Forum für Fotografie
Schönhauser Strasse 8
D – 50968 Köln
http://www.forum-fotografie.info
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Weitere Beiträge in Fotoausstellungen
- Drei Frankfurter Fotografen
- Jesco Denzel: Les Gitans de St. Jacques
- Dan Nelken: Till the Cows come Home
- Thomas Struth: Fotografien 1978–2010
- Sammlung Lebeck: Japan und China
- Marianne Breslauer
- Roger Ballen: Boarding House
- Andreas Feininger Retrospektive
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- Fotogeschichte: Fremde im Visier
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